Schneller und besser schreiben: Was ein Experiment im Fachjournal Science zeigt
In einer kontrollierten Studie brauchten Fachkräfte mit KI-Unterstützung 40 Prozent weniger Zeit für berufliche Texte – und die Qualität stieg.
E-Mails, Berichte, Stellungnahmen, Konzeptpapiere: In vielen Berufen besteht ein großer Teil der Arbeit aus Schreiben. Wie stark generative KI diese Arbeit verändert, haben die Forschenden Shakked Noy und Whitney Zhang vom Massachusetts Institute of Technology in einem Experiment untersucht, das 2023 im Fachjournal Science erschienen ist.1
Für die Studie bearbeiteten 453 Fachkräfte mit Hochschulabschluss realistische Schreibaufgaben aus ihrem jeweiligen Berufsfeld, etwa aus Marketing, Personalwesen oder Beratung. Ein Teil der Teilnehmenden erhielt Zugang zu einem KI-Sprachmodell, die anderen arbeiteten ohne. Die Ergebnisse wurden von unabhängigen Fachleuten bewertet, die nicht wussten, wie ein Text entstanden war.
Das Ergebnis: Mit KI-Unterstützung sank der Zeitaufwand um rund 40 Prozent, und die Qualität der Texte stieg um 18 Prozent.1 Die Teilnehmenden wurden also nicht nur schneller, ihre Ergebnisse wurden auch besser bewertet. Auffällig war zudem, dass sich die Abstände zwischen den Teilnehmenden verringerten – wer ohne KI schwächere Texte geschrieben hatte, holte deutlich auf.
Interessant ist auch, wie sich die Arbeit verlagert hat. Statt viel Zeit mit dem ersten Entwurf zu verbringen, konzentrierten sich die Teilnehmenden stärker auf das Formulieren der Aufgabe und das Überarbeiten des Ergebnisses. Die eigentliche Kompetenz liegt damit weniger im Tippen als im Steuern und Prüfen.
Für den Arbeitsalltag bedeutet das: Wer KI für Texte nutzt, sollte klare Vorgaben machen – Zielgruppe, Ton, gewünschte Länge und die wichtigsten Inhalte. Anschließend gilt es, das Ergebnis kritisch zu lesen, Fakten zu überprüfen und den Text an die eigene Sprache anzupassen. Diese Schritte entscheiden darüber, ob am Ende ein guter Text steht.
Die Studie zeigt eindrücklich, welches Potenzial in generativer KI steckt. Sie macht aber auch deutlich, dass der Nutzen von der Art der Aufgabe abhängt und dass menschliches Urteilsvermögen weiterhin gefragt ist. Wer beides verbindet, gewinnt Zeit für die Arbeit, die wirklich Fachwissen erfordert.